So entstand die Trinkhanf-Studie

Im Jänner 2007 gab es in Salzburg das Projekt "Gesundes Salzburg 2010". Frenkenberger lieferte zu Beginn des Projektes über seinen Biozustellservice www.biobox.at das Frühstück für jene Veranstaltung in Hallwang, bei der sich die Bewohner auf ihren Gesundheitszustand hin untersuchen ließen. Frenkenberger nutzte die Gelegenheit und machte selbst bei dem Programm mit. Es wurden so auch seine Blutfettwerte untersucht, ein Fitness-Test durchgeführt und ein ausführlicher Lebensstil-Fragebogen ausgefüllt. Nachdem er Frenkenberger´s Befund gesehen hatte, bemerkte Univ. Doz. Dr. Bernhard Paulweber: "Optimales Lipid-Profil". Effekt des Trinkhanfs? Für Frenkenberger schien sich nun das zu bestätigen, was er lange vermutet hatte: Die Ernährung mit seinen gesunden Produkten hatte offensichtlich messbare, günstige Auswirkungen auf wichtige Risikofaktoren, wie die Blutfette. In der Folge erklärte sich Paulweber mit seinem Team in der Stoffwechselambulanz bereit, die Wirkung von Trinkhanf auf die Lipidwerte bei 150 Salzburgerinnen und Salzburgern zu testen. Frenkenberger und seine Mitarbeiter nahmen umgekehrt die Herausforderung an, den Probanden das Produkt über mehrere Monate frei Haus zu liefern.

Im Februar 2007 startete das Projekt. Jeden Tag kamen 5 Teilnehmer in die Klinik, jeden Tag wurden 5 Personen mehr mit Trinkhanf beliefert. Für alle Beteiligten war dieses Projekt eine echte Herausforderung. Die Trinkanf Studie ist ein gutes Beispiel dafür, dass Feldversuche und Studien nicht unbedingt nur mit viel Kapitaleinsatz, sondern auch mit hoher Motivation und viel persönlichem Einsatz möglich sind. Um die Frage zu beantworten, ob der regelmäßige Konsum von Trinkhanf zu einer Veränderung der Blutfette führt, wurden 66 Frauen und 84 Männer zwischen 25 und 75 Jahren eingeladen, über einen Zeitraum von 2 Monaten pro Woche 6x 500ml Trinkhanf zu konsumieren. Die Studienteilnehmer wurden aufgefordert, während der 2 Monate weder am Lebensstil (Ernährung, Bewegung) noch an einer allfälligen Medikamenteneinnahme Veränderungen vorzunehmen. Bei allen Probanden wurden vor Beginn und nach 2-monatigem Trinkhanf-Konsum an der Stoffwechselambulanz der SALK das Körpergewicht und wichtige Stoffwechselparameter untersucht. Die Änderungen dieser Parameter sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.



Das Körpergewicht änderte sich während der Studienperiode nicht. Fasst man alle Probanden zusammen, kam es zu keiner Änderung bei den klassischen Blutfettwerten wie Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin oder Triglyceride. Trennt man jedoch die Probanden in Personen mit LDL-Cholesterinwerten über 160mg/dl (n=82) und solche Personen mit Werten unter 160mg/dl (n=68) zu Studienbeginn, so zeigte sich, dass es bei Personen mit hohen Ausgangswerten zu einer signifikanten Senkung des LDL-Cholesterins kam. Bei diesen Personen lag das LDL-Cholesterin im Schnitt vor Studienbeginn bei 198,8mg/dl und nach 2 Monaten bei 192,1mg/dl (p=0.016).

Das erfreulichste Ergebnis der Studie war, dass insgesamt während des Studienzeitraums zu einem signifikanten Abfall des Apolipoprotein-B und zu einem signifikanten Anstieg des Apolipoprotein-AI Spiegels kam. Besonders stark änderte sich der Quotient aus den genannten Apolipoproteinen (Apo-B/Apo-AI). Dieser Wert gilt unter Stoffwechselexperten als der wichtigste Lipid-Risikofaktor für atherosklerotische Gefäßerkrankungen. Dies konnte auch in der INTERHEART-Studie mit fast 34,000 Studienteilnehmern 2004 eindrucksvoll gezeigt werden.



Bringt man die in unserer Trinkhanfstudie beobachteten Veränderungen im Apo-B/Apo-AI Quotienten in Beziehung zu den Ergebnissen der INTERHEART-Studie, so kann man damit rechnen, dass der tägliche Trinkhanfkonsum das Herzinfarktrisiko innerhalb von 2 Monaten um 15-20% senkt. Diesen Zusammenhang zeigt die obige Abbildung. Auf der X-Achse ist der Apo-B/Apo-AI Quotient angegeben. Unter den jeweiligen Werten für diesen Parametern stehen die Zahlen der Patienten mit Herzinfarkt, die in jeder Dezile des Quotienten beobachtet wurden. Auf der Y-Achse ist das relative Risiko (angeben als Odds-Ration, OR) für Herzinfarkt aufgetragen. Die beiden horizontalen roten Linien zeigen die in unserer Studie beobachtete Verbesserung des Quotienten von 0,73 auf 0,66 innerhalb von 2 Monaten.

Um diese Zusammenhänge zu veranschaulichen, ist in der nächsten Abbildung eine schematische Darstellung eines LDL- und eines HDL-Cholesterinpartikels abgebildet. Um in der Blutbahn transportiert werden zu können, müssen die auf Grund ihrer chemischen Natur in Wasser eigentlich unlöslichen Fette zusammen mit bestimmten Eiweißmolekülen (Apolipoproteinen) in sogenannte Lipoproteine verpackt werden. Im Inneren dieser Partikel finden sich die unlöslichen Fettmoleküle (Triglyceride, Cholesterinester), an der Oberfläche die wasserlöslichen Fettmoleküle (Phospholipide, freies Cholesterin) und die Apolipoproteine. Jedes LDL-Cholesterin Partikel besitzt so genau ein Molekül Apolipoprotein-B (Apo-B) und jedes HDL-Cholesterinpartikel genau ein Molekül Apolipoprotein-AI (Apo-AI). Je höher also der Spiegel von Apo-B im Blut ist, desto mehr atherosklerosefördernde LDL-Cholesterinpartikel sind vorhanden. In derselben Weise zeigt eine hohe Konzentration von Apo-AI im Blut eine hohe Anzahl von schützenden HDL-Cholesterinpartikeln an.



In unserer Untersuchung konnten wir beobachten, dass es durch den Trinkhanfkonsum zu einem signifikanten Absinken des Apo-B Spiegels kam, dass sich die LDL-Cholesterinkonzentration hingegen nicht änderte.

Wie ist diese Beobachtung zu erklären?

Wie das Absinken des Apo-B Spiegels anzeigt, ist es offensichtlich während der Studie zu einer Verminderung der Anzahl der atherogenen LDL-Cholesterinpartikl gekommen. Die Tatsache, dass es dabei nicht auch zu einem Absinken des LDL-Cholesterinspiegels gekommen ist, deutet darauf hin, dass es gleichzeitig offensichtlich zu einer Zunahme der Größe des einzelnen LDL-Cholesterinpartikels gekommen sein muss. Jedes einzelne Partikel enthielt somit nach 2-monatigem Trinkhanfgenuss mehr Cholesterin als vorher. Die Zahl der Partikel hatte jedoch abgenommen.

Welche Bedeutung hat diese Veränderung aus medizinischer Sicht?

Dazu ist festzustellen, dass die Größe der LDL-Cholesterinpartikel einen starken Einfluss darauf hat, welchen Schaden es an der Gefäßwand anrichten kann. Je kleiner ein LDL-Cholesterinpartikel ist, desto stärker sind seine atherosklerosefördernden Eigenschaften. Das hängt damit zusammen, dass kleinere LDL-Cholesterinpartikel leichter in die Gefäßwand eindringen können und dort auch stärker festgehalten werden als größere Partikel. Außerdem können kleinere Partikel leichter von Sauerstoffradikalen oxidiert werden. Oxidierte LDL-Cholesterinpartikel können Gefäßwandzellen stärker reizen als nicht-oxidierte Partikel. Diese Reizung der Gefäßwand hat zur Folge, dass mehr Entzündungszellen (Makrophagen=Fresszellen) in die Gefäßwand einwandern. Oxidierte LDL-Partikel werden von diesen Zellen aufgenommen. Wenn sie mit LDL-Cholesterin vollgestopft sind, gehen diese Zellen zugrunde und das Cholesterin lagert sich in der Gefäßwand ab. Dies ist ein wesentlicher Mechanismus in der Entstehung der Atherosklerose (=Gefäßverkalkung).

Zusammenfassend kann man also feststellen, dass es durch den regelmäßigen Konsum von täglich 500ml Trinkhanf innerhalb von 2 Monaten zu einer qualitativen Veränderung der Blutfettpartikel (Größenzunahme) gekommen ist, die als günstig zu bewerten ist. Die Anzahl der atherogenen LDL-Cholesterinpartikel, der wichtigste Risikoparameter, hat dabei abgenommen. In Analogie zu den Ergebnissen der INTERHEART-Studie kann man annehmen, dass es durch das Absinken des wichtigen Apo-B/Apo-AI Quotienten von 0,73 auf 0,66 bei unseren Studienteilnehmern zu einer Senkung des kardiovaskulären Risikos um 15-20% gekommen ist.

 

Bilder ©:
B. Paulweber
Austrian Atherosclerosis Society
Universitätsklinik für Innere Medizin I
Paracelsus Medizinische Privatuniversität

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